Ich bin entsetzt, ... von mir selbst, ... sozusagen zumindest. Ich oller Laufmuffel laufe seit kurzer Zeit reproduzierbar
mehrmals die Woche und versuche nebenbei auch noch mir Inline-Slalom-Kenntnisse anzueignen. In der wagen Hoffnung, dass ich beides über längere Zeit werde durchhalten können, möchte hier meine fortlaufenden Erfahrungen sammeln.
Doch der Reihe nach: ... (wen Hintergründe nicht interessieren, braucht nun nicht weiterlesen)
Anfang April kaufte ich mir Inline-Skates. Unsere älteste Tochter hatte zu Weihnachten welche bekommen und dies war mir ein willkommener Anlass, das auch mal ernsthaft ausprobieren zu wollen. (Meine letzten Roll-Erlebnisse hatte ich mit “Inline-Skates zum Unterschnallen” in den späten 70igern bis in die frühen 80iger.) Außerdem schien mir dies eine gute Möglichkeit meinen konditionell und gewichtstechnisch bürogeschädigten Körper ab und an der frischen Luft zu bewegen.
Ende April (2005) gab es dann endlich mal wieder “Urlaub am Stück”; es ging 14 Tage an die Mosel und neben den Inline-Skates packte ich auch die alten, selten benutzten Laufschuhe ein. “Ernsthaft” gelaufen war ich bisher nie. In den vergangenen zwei Jahren bin ich in den läuferfreundlichen Jahreszeiten alle paar Wochen mal gelaufen, wenn ich das dringende Bedürfnis hatte, Stress abzubauen. Es gab auch immer wieder kurze Phasen, in denen ich alle paar Tage ein viertel bis ein halbes Stündchen (letzteres auch nur mit Gehpausen) diesem Bedürfnis nachkam. Aber im tiefsten Grunde meines Herzens finde ich “Laufen” seit frühester Jugend langweilig, wenig gelenkschonend und “doof”. Mitgenommen habe ich die Laufschuhe auch nur, für den Fall, dass die Moselgefilde sich als zu schwierig oder zu gefährlich für meine noch sehr rudimentären Skate-Fähigkeiten erweisen würden. Denn eins war klar: ich wollte mich an der frischen Luft bewegen und dabei abschalten sowie Sauerstoff und Erholung tanken.
Nun, es stellte sich heraus, dass das Moselufer (inkl. dessen näherer Umgebung) hervorragende Inline-Skate-Bedingungen bietet. Die asphaltierten Abschnitte des Moseluferweges weisen zudem nur recht moderate Steigungen auf, so dass auch Anfänger mit noch nicht perfektionierter Bremstechnik ganz gut zurecht kommen. In den Weinbergen sieht das dann schon etwas anders aus …
Wir (meine Frau hatte sich dann wenige Tage nach mir ebenfalls Skates zugelegt) gewöhnten uns zunehmend an die Inline-Skates und wagten dann Ende der ersten Woche unsere erste längere Ausfahrt; wir fuhren “auf unserer Seite” ca. 8 km moselfaufwärts, überquerten eine Brücke und rollten dann auf der anderen Seite die 8 km wieder zurück. Visuell / landschaftlich wie auch körperlich ein tolles Erlebnis. Abends war ich noch so aufgedreht, dass ich plötzlich das dringende Bedürfnis verspürte, mich nochmal zu bewegen. Ich zog mir die Laufschuhe an und lief bis in den nächsten Ort und am Moselufer entlang wieder zurück. Am nächsten Morgen bereute ich das dann.
Der Muskelkater war höllisch. Vom Inline-Skaten konnte mich das nicht abhalten, vom Laufen schon eher. In der verbleibenden Woche skateten wir praktisch täglich ähnliche Touren; auf denen ich dann merkte, dass das Dahingleiten in wunderbarer Landschaft zwar viel Spaß bereitet, aber dass das “Kurven- und Schlangenlinienfahren” als solches das spannendste ist.
Wieder zuhause fuhr ich dann erstmal ein paar Touren über münsterländische Wirtschaftswege. Ich fand einfach keinen Platz, auf dem ich konzentriert hätte Slalom üben können. Ein solcher Platz muss erstens einen möglichst glatten, asphaltierten Untergrund bieten (in unserem Städtchen sind alle [so dachte ich] Flächen gepflastert und bieten somit herrlichste Spurrillen für Skates) und zweitens frei von störenden Verkehr sein. Dann fiel mir auf, dass der Parkplatz eines neuen Supermarktes (der just während unseres Urlaubs fertiggestellt worden war) herrlichste Asphaltspuren (die Parkboxen selbst sind gepflastert) bietet. Yuppieh! Nach 20:00 Uhr ist dort kein Mensch mehr und vor 20:00 Uhr komme ich eh selten raus.
Mein Plan war, dass ich (rein aus gesundheitlich vorbeugenden Gründen; Bewegung tut not) zwei bis drei Mal pro Woche Skaten wollte. Ursprünglich wollte ich der Fitness wegen Kilometer fressen, aber der Slalom hat mich so stark gepackt, dass ich meine frisch gekauften Fitness-Inliner aus dem Hause Rollerblade in die Ecke gestellt habe (braucht noch jemand welche?) und mir vom Rollschuster eine Kombination aus Tecnica Hartschale, Razors Schaft und Innenschuh und einer Twister+ Slalom-Schiene habe bauen lassen. (Der Rollerblade Aero 7 ist eigentlich ein feiner Skate, aber er taugt mangels direktem Kontakt zwischen Fuß und Schiene und unzureichendem Seitenhalt im unteren Knöchelbereich nicht für Slalom oder hohe Kurvengeschwindigkeiten.)
Der neue Skate kam an; und mit ihm das schlechte Wetter: tagsüber trocken und abends fing es an zu regnen. Ich war enttäscht und sauer. So sauer, dass ich aus lauter Trotz abends die Laufschuhe schnürte zumindest ‘ne Runde “um den Block” machen wollte; das geht schließlich auch problemlos auf nassem Asphalt.
Nun. Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber Laufen macht plötzlich Spaß. Ich konnte es nach den ersten beiden Wochen, in denen ich jeweils mindestens 3 Mal laufen war, selbst noch nicht so recht glauben. Aber inzwischen bricht die vierte Woche an und ich habe vor einigen Tagen sogar meine in Unwürde gealterten Laufschuhe (weder Dämpfung noch Stützfunktion erfüllen noch ihren Zweck) durch ein frisches Paar ersetzt. Ich bin (noch
) der festen Überzeugung, dass ich weiterhin regelmäig laufen werde; mindestens ebenso regelmäß wie ich auch das Slalom-Training betreiben werde. Wie ich theoretisch und auch schon praktisch herausgefunden habe, ergänzen sich die beiden Belastungsformen ganz gut. Eine Einheit Inline-Slalom ist für die beim Laufen belasteten Muskelpartien im Ober- wie Unterschenkel die pure Erholung.
So. Und weil mich selber interessiert, wie sich “die Sache” so entwickeln wird, werde ich sowohl das Laufen wie auch das Slalomsen in der Kategorie “Sport?” in Zukunft dokumentieren. Da ich das hauptsächlich für mich selbst tue, werden die Einträge hauptsächlich kurzer und stichwortartiger Natur sein (jedenfalls deutlich kürzer als dieser Roman hier
).